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2011 - 15. März, Berlin, Ausstellung: Felix Candela, Architekt

Felix Candela Künstler der Konstruktion

(Details zur Ausstellung an der TU in Berlin Januar-März 2011 - PDF-Datei (öffnet neues Fenster)

Hier sehen Sie Fotos der Kapelle in Cuernavaca

Dienstag 15. März Eröffnung der Ausstellung:

Kunst der Konstruktion. Dünne Schalen aus Beton: Möglichkeiten der modernen Baukunst Deutsches Museum München, Museumsinsel 1, 80538 München. Weitere Informationen unter: www.deutsches-museum.de

Dünne Schalen aus Beton: Möglichkeiten der modernen Baukunst

Der spanische Architekt Felix Candela (1910-1997), der 1939 nach Mexiko ausgewanderte, entwarf und baute vor allem in Mexiko-Stadt und Cuernavaca sensationelle und wegweisende Bauwerke. Félix Candela ist einer der herausragenden Vertreter für das Bauen mit dünnen Betonschalen. Er verstand es, den Baustoff in wohl durchdachte und statisch optimierte Formen zu bringen und entwarf so Ingenieurbauwerke von eindrucksvoller Schönheit.
Zu seinem 100. Jahrestag hat die Universidad Politénica de Madrid eine Jubiläumsausstellung zu seinem Werk konzipiert. Die Deutsche Fassung der Ausstellung entstand als Zusammenarbeit des Deutschen Museums mit der TU Berlin und zeigt das Werk Candelas mit Bildern und Texten, in München auch mit Originalzeichnungen und acht Modellen.
Diese Ausstellung ist ab dem 12. Januar 2011 im  Institut für Bauingenieurwesen der Technische Universität Berlin in der Gustav-Meyer-Allee 25 und ab dem 15. März 2011 im Vorraum der Bibliothek des Deutschen Museums in München zu sehen .

Félix Candela:   Sein Lebensweg


Das Werk von Félix Candela (1910-1997) umfasst mehr als 800 Bauten aus dünnen Betonschalen, die fast alle in den 1950er und 1960er Jahren in Mexiko entstanden. Als Pionier dieser Bauweise wurde er zu einem bedeutender Vertreter der Architektur der Moderne.

In Spanien – Kindheit und Ausbildung (Madrid 1910-1939)

Félix Candela Outeriño ist am 27. Januar 1910 in  Madrid (Spanien) geboren. Seine Eltern betrieben unter dem Namen “Calzados Candela” eine Schusterei in der zentral gelegenen Calle Mayor Nº 79. Candela verbrachte also seine gewiss glückliche Kindheit und Schulzeit im Stadtzentrum von Madrid. Nach der Reifeprüfung schrieb er sich 1927 an der naturwissenschaftlichen  Fakultät der Universidad Central seiner Heimatstadt ein, wo er sich die erforderlichen Vorkenntnisse für das angestrebte Studium an der Escuela Técnica Superior de Arquitectura (heute: Universidad Politécnica de Madrid) erwarb. Dort schloss er 1935 sein Architekturstudium erfolgreich ab.

Prägend für den jungen Architekten Candela waren vor allem die innovativen Schalen, die Eduardo Torroja (1899-1961) in Madrid gebaut hatte. Mit seiner preisgekrönten Dissertation über „Den Einfluss der neuen Stahlbetontechniken auf die Formensprache der Architektur“, die Candela 1936 vorlegte, erhielt er auch des ersehnte Stipendium der spanischen Kunstakademie “Real Academia de San Fernando“. Damit wollte er in Deutschland seine Kenntnisse über den Bau dünner Betonschalen vertiefen, denn hier hatte die Firma Dyckerhoff und Widmann AG bereits zwischen 1922 und 1924 das Gewölbe für das Zeiss-Planetarium in Jena als erstes Bauwerk mit einer dünnen Betonschale errichtet. Der Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges machte jedoch seine Reisepläne zunichte: Candela ließ sich von der republikanischen Armee anwerben und suchte nach dem Sieg Francos 1939 in Mexiko Asyl.

In Mexiko – Bauten und Projekte (Mexiko 1950-1969)

Die ersten Jahre in Mexiko arbeitete Félix Candela in verschiedenen Büros als Zeichner, Baumeister und Architekt und nahm 1941 die mexikanische Staatsbürgerschaft an. Seine schaffensfreudigste Zeit begann 1950 mit der Gründung seines eigenen Unternehmens “Cubiertas Ala”, das er mit seinen Geschwistern Antonio (Bauleiter) und Julia, sowie mit den Architektengeschwistern Fernando und Raúl Fernández Rangel betrieb, die jedoch schon 1953 wieder aus dem Unternehmen ausschieden. Im selben Jahr wurde Félix Candela auf einen Lehrstuhl an der Architekturfakultät der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) in der Hauptstadt Mexikos berufen.

“Cubiertas Ala” war ursprünglich als Unternehmen gegründet worden, das dünne Stahlbetonschalen für Industriehallen entwerfen und bauen sollte. Doch nach den ersten Erfolgen mit dieser  Bauform waren schnell auch schalenförmige Dächer für andere Bauwerke gefragt: darunter Wohngebäude, Kirchen, Restaurants und Tankstellen ..

Félix Candela stand den “Cubiertas Ala” seit der Gründung im Jahre 1950 bis 1969 vor. Sein Bruder Antonio führte das Unternehmen danach bis zu seiner Schließung 1976 weiter. Die Geschwister haben in diesen Jahren etwa 1400 Projekte geplant von denen fast 900 schließlich auch ausgeführt worden sind. Candela wird auf diese Weise zum produktivsten Planer von Dächern mit dünnen Stahlbetonschalen der Welt. Nachdem er am Anfang seiner Laufbahn verschiedene in sich stabile geometrische Formen erprobt hatte, wurde schließlich die Verwendung hyperbolischer Paraboloide zu seinem Markenzeichen, denn die Geometrie dieser Körper lieferte in sich stabile räumliche Tragwerke, die gleichzeitig außerordentlich viele Gestaltungsmöglichkeiten boten. Dank der zweifachen Krümmung gab es viele statische Vorteile und wegen der regelmäßigen Flächen waren sie einfach mit Holzlatten einzuschalen und daher auch  preiswert zu bauen.

Repräsentative und international bekannte Werke Candelas sind:  Laboratorium für Kosmische Strahlenforschung der Universidad Nacional Autónoma de México (1951-1952), Kirche Medalla Milagrosa (1953), Fabrikgebäude für “High Life” in Coyoacan (1954-55), Hauptsaal der Börse in Mexiko-Stadt (1955), Kapelle San Antonio de las Huertas in Tacaba (1956), Nachtclub La Jacaranda in Acapulco (1957), Restaurant Los Manantiales in Xochimilco (1958), Offene Kapelle Palmira in Cuernavaca (1958), Kirche San José Obrero in Monterrey (1959), Kapelle San Vicente Paul in Coyoacán (1959), Abfüllhalle „Bacardí“ in Cuautitlán-Izcalli (1960),  Sportpalast für die XIX. Olympischen Spiel in Mexiko (1968).

In den USA und Spanien  - Internationale Netzwerke  (Chicago und Madrid 1971- 1997)

Seit 1955 unterhielt Félix Candela über das 1934 von Eduardo Torroja gegründete Instituto Técnico de la Construcción wieder erste regelmäßige Kontakte nach Spanien und nachdem Eduardo Torroja 1959 die International Association for Shell Structures (IASS) in Madrid gründetet hatte, ernannte er Pier Luigi Nervi und Félix Candela 1963 weniger wegen ihres internationalen Renommees sondern vor allem wegen ihrer Unterstützung und engagierten Mitarbeit zu Ehrenmitgliedern der Vereinigung.

Doch erst 1969 sollte Félix Candela erstmals seit 30 Jahren wieder aus dem mexikanischen Exil nach Spanien zurückkommen. Anlass war die Einladung zu einem Vortrag am Instituto Eduardo Torroja und an der Escuela Técnica Superior de Arquitectura, seinem ehemaligen Studienort. Von dieser Zeit an fand er wieder in sein heimatliches Madrid zurück und kaufte später sogar eine Wohnung im einem traditionellen Viertel in der Nähe der Plaza Mayor.

Felix Candela wurde 1971 auf den Lehrstuhl für architektonische Projekte der University of  Illinois in Chicago berufen. Er zieht dorthin und wird 1978 US-amerikanischer Staatsbürger. Die letzten drei Jahrzehnte seines Lebens wird Candela zum wahren Weltbürger, dessen Hilfe, Rat und Mitarbeit überall gefragt und geschätzt sind. Er lebte in Chicago, New York und Raleigh. 1979 war er Berater bei den Architekten des IDEA Centres in Toronto.

Seine letzten 20 Lebensjahre brachten Felix Candela vor allem seiner Heimat wieder näher. Seit 1981 war er dort in den Büros der Firma TYPSA in Madrid tätig und bearbeitete verschiedene nationale und internationale Projekte. Die wichtigsten Werke aus dieser Schaffensperiode sind:  Die Metrostation Puerta del Sol in Madrid, der Masterplan für das Campus der Islamischen Universität in Riyadh, die Überdachungen der  Estación de Servicio und des Pfadfinderzentrums. Diese Bauten sollten seine letzten Schirmkonstruktionen sein. Er plante aber auch andere Überdachungen wie die der Nebentribüne des Stadions oder dessen Hauptdach, das bereits als Metallkonstruktion ausgeführt ist (150 Meter Spannweite).

Sein letztes Werk entstand in Zusammenarbeit mit Santiago Calatrava: das Seeaquarium  L'Oceanogràfic in Valencia: ein Nachbau seines berühmten Restaurants „Los Manantiales“, das Candela  zuvor 1958 in Xochimilco, Mexiko entworfen und gebaut hatte.
Felix Candela starb noch vor Vollendung dieses Werkes am 7. Dezember 1997 im Krankenhaus von Duke in Durham (North Carolina).

Nur zwei Werke sollen hier genauer vorgestellt werden:


Restaurant Los Manantiales in Xochimilco, México-Stadt   1957-1958
Entwurf und Planung:: Felix Candela mit Joaquín und Fernando Alvarez Ordoñez

Das Restaurant Los Manantiales in Xochimilco (México-Stadt) (1957-58) wird von einer der aufsehenerregendsten und berühmtesten Stahlbetonschalen überdacht, die Felix Candela geschaffen hat. Dieses Bauwerk ist nicht nur wegen seiner unvergleichlich dünnen Betonschalen zur Ikone der modernen Architektur geworden, sondern vor allem wegen seiner eindrucksvollen Verbindung von konstruktivem Können mit strukturbedingter Schönheit, die nur durch den meisterhaften Umgang Candelas mit einer sich selbst tragenden Konstruktion ohne verstärkte Ränder erreicht werden konnte.

Das Dach wölbt sich schwungvoll über einen achteckigen Grundriß und besteht aus einem Kreuzgewölbe, das von vier gleich großen, sich durchdringenden hyperbolischen Paraboloiden gebildet wird. Die zur Außenseite gerichteten Ränder sind schräg angeschnittene, daher oben auskragende Hyperbeln, die dem Bauwerk seinen lebendig-beschwingten und einladenden Charakter verleihen.

Von außen betrachtet sind nur die freien Ränder der wellenförmigen Schalen zu erkennen. Um die Ränder freizuhalten zu können, mußten die Kräfte jedes Schalensegments über zwei Rippen in die Auflager eingeleitet werden. Konstruktiv betrachtet sind es daher eher acht Fragmente von Hypar-Schalen, deren Ränder erst durch ihre räumliche Durchdringung ohne Aussteifung auskommen. Das Gesamtbauwerk entsteht aus der Durchdringung von acht gleichartigen Gewölben, deren außen liegenden Auflager ein Achteck bilden und einen Raum von 30 Metern Spannweite überdachen. An den auskragenden Hyperbeln gemessen sind es sogar 42 Meter. Die Schale hat eine gleichmäßige Dicke von nur 4 cm und ist damit eine der dünnsten Betonschalen, die die moderne Architektur hervorgebracht hat. .

Kapelle in Cuernavaca, Morelos, Mexiko 1958-1959
Entwurf und Planung: Felix Candela mit Guillermo Rossel und Manuel Larrosa


Diese offene Kapelle steht als Blickfang auf einem Hügel in Cuernavaca, heute umgeben von einem Wohngebiet. Das Kapellendach ist eine Hypar-Schale, die auf der Seite des Eingangs hoch in den Himmel ragt und auf der anderen, der Altarseite eine deutlich geringere Höhe erreicht. Weil beide Seiten des Gebäudes offen sind, kann der Betrachter die Schale mit ihrem Spiel aus hellen und schattigen Stellen vollständig einsehen und so das mit Tageslicht durchflutete Gebäude bis in die dahinter liegende offene Landschaft hinein erfassen.

Die Geometrie des Gebäudes gehorcht der eines hyperbolischen Paraboloids, das in mehreren Ebenen geschnitten wird und von außen wie ein Sattel wirkt. Candela  läßt die abfallende Topographie unverändert in sein Bauwerk fließen und öffnet die beiden Seiten mit unterschiedlich hohen Bögen. Den Grundriß der Kapelle bilden zwei sich spiegelnde Parabeln, deren Verlauf das Fundament des Gewölbes folgt. Die größere der beiden Öffnungen erreicht eine Spannweite von 30 Metern und eine ursprünglich Höhe von 24 Metern. Als das Gewölbe beim Ausschalen an seiner höchsten Stelle plötzlich absackte, baute Candela es mit nur 21,90 Metern Höhe wieder auf.

Aufgrund seiner Erfahrungen mit Hypar-Schalen gelang es Felix Candela, den Bogen der oberen, großen Öffnung dank dessen Geometrie ohne Randaussteifung auszuführen. Der kleine Bogen der zweiten Öffnung mußte hingegen an seinem Rand ausgesteift werden. Wegen der Größe der Schale war in diesem Falle keine einheitliche Stärke der Stahlbetonplatte möglich: die dünnste Stelle mißt wie gewöhnlich 4 cm und wird zum Fundament hin immer dicker wo sie schließlich 52 cm erreicht. Um die Windlasten aufnehmen zu können mußte die Schale am unteren Bogen mit einer Druckrippe verstärkt werden.

Felix Candela , Kapelle in Cuernavaca


Die schwungvolle Form der offenen Kapelle in Cuernavaca ist so gewählt, daß das Dach sich selbst trägt. ↓↓↓

Felix Candela, Kapelle in Cuernavaca I 


An der Unterseite der Schale sieht man an den Abdrücken der ehemaligen Schalung, wie sich die Geometrie aus lauter geraden Stäben zusammensetzt. ↓↓↓


Der „Platz der Fächer“ ist mit einem weiteren Werk Candelas verziert, einer weit auskragenden gefalteten Betonskulptur. Ein Baum in der Nähe ahmt die Struktur der Plastik nach. ↓↓↓

Felix Candela, Kapelle in Cuernavaca II 

 
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