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2007 Die Huichol-Magie wird enthüllt. |
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Die Huichol-Magie wird enthüllt.
Johannes Neurath rettet das Vermächtnis von Konrad Theodor PreussDie Anschauungen und Gebräuche der Cora und Huichol, zweier Nahuastämme im heutigen Staat Nayarit wurden von dem deutschen Ethnologen K.Th. Preuss eingehend studiert. Er fand heraus, dass Mythen der beiden Stämme aus dem Westen Mexikos in die Geschichte der aztekischen Religion eingeflossen sind. In einem Mythos bei den modernen Cora fand K.Th. Preuss sogar noch die Vorstellung lebendig, dass der Tagesadler, wenn er die Nachtschlange frisst, im Mittelpunkt des Himmels auf einem Nopalkaktus sitzt.
Danach wäre das Symbol Adler-Kaktus-Schlange erst sekundär mit der Gründungslegende von Tenochtitlan (Stadt Mexiko) verbunden. Ursprünglich drückte es den Gedanken aus, dass sich das gesamte Weltgeschehen aus dem Kampf polarer Gegensätze ergibt, denn der Adler steht für die Sonne und den Tageshimmel, die Schlange für den Sternengürtel des mexikanischen Tierkreises und den Nachthimmel. Das anerkannte monatliche Kulturmagazin „Artes de Mexico" stellt zum ersten Mal die Kollektion von K.Th. Preuss in Form von Skulpturen, Masken, Schalen, Pfeilen und Federn vor, die die Stämme der Cora und Huichol benutzten.
Nach Meinung von K.Th. Preuss sind sie keine symbolischen Objekte, sondern Personen, die ein eigenes Leben eingegeben bekamen. Sie sind Medium, über die die Götter mit den Menschen sprechen und über die sie sich mit ihnen austauschen. K.Th. Preuss hatte eine Sammlung von 2300 zeremoniellen Gegenständen aus den Kulturen im Westen Mexikos, die in den Archiven des ethnologischen Museums in Berlin verpackt lagerten. Diese Stücke waren der Öffentlichkeit nie zugänglich.
Mit dem Versuch, die Erkenntnisse von K.Th. Preuss nachzuzeichnen, koordinierte Johannes Neurath, Kurator des Saales Gran Nayar im Museo Nacional de Anthropologia und Huichol-Experte eine Ausgabe des Magazins "Artes de Mexico" in 2007. Ihm ist es zu verdanken, dass in der Zeitschrift ein Teil der außergewöhnlichen Sammlung von K.Th. Preuss einem breiten Leserpublikum zugänglich gemacht wird.
K.Th.Preuss sah, dass die Cora- und Huichol-Gesellschaften keine Unterscheidung zwischen Materie und Geist, zwischen Körper und Seele machten. Für ihn waren Magie und Rituale keine Sinnbilder, sondern Teil einer Handlung, die die Menschen mit ihren Göttern und mit den psychischen und natürlichen Kräften vereinte. Als Ethnologe hat K.Th. Preuss in Mexiko Pionierarbeit geleistet. Er wies als erster seines Faches darauf hin, dass für die alten Völker des westlichen Mexiko die Götter keine uneingeschränkten Wesen waren, sondern mehrdeutig.
Kein Wesen sei absolut gut oder schlecht. Sie sind immer in einen Entwicklungsprozess eingebunden und sie wandeln sich. Bedeutende Objekte, wie bestimmte Masken, haben ihre Ursprungsorte nie verlassen. Sie sind aber als Reproduktionen in der Sammlung, der sie bei Forschungen von K.Th. Preuss in den Jahren 1905 bis1907 in der Region zugeführt worden sind. Die Veröffentlichung erhellt nicht nur die ethnologischen Vorstellungen von K.Th Preuss über den zeremoniellen Hintergrund der gesammelten Objekte. Sie ermöglicht auch, Sammelstücke zu schätzen, die vor etwa einem Jahrhundert angefertigt worden sind, mit einer Ästhetk, die leider verloren gegangen ist, weil sich die Kulturen verändert haben. Johannes Neurath weist in diesem Zusammenhang auf Stücke hin, die heute nicht mehr gefertigt werden, wie z.B. los atados, die Gefesselten, Skulpturen aus Stein, die in Tuch eingewickelt sind.
Quelle: Krickeberg-Kutscher. Altmexikanische Kulturen, S. 54/63, Safari Verlag-Berlin 1975 und Maria E. Sevilla, TZReforma, 21.11.2007
Konrad Theodor Preuss lebte von 1869 bis 1938. Ab 1895 war er im Museum für Ethnologie in Berlin tätig. Von 1905 bis 1907 forschte er bei den Cora und Huicholes der Sierra Madre. 1912 wurde er Professor für Ethnologie. 1913 bis 1919 hielt er sich zu archäologischen Ausgrabungen und Feldforschungen in Kolumbien auf. Ab 1920 leitete er das Museum für Völkerkunde in Berlin, das heutige Ethnologische Museum und lehrte an der Universität.
Johannes Neurath studierte Ethnologie an den Universitäten Wien und Mexiko (UNAM). Ab1992 Feldforschung bei den Huichol in Jalisco, ab 1995 auch bei den Cora in Nayarit. Seit 1998 wissenschaftlich am Museo Nacional de Anthropologia in Mexiko tätig. Lehrbeauftragter an der Faculdad de Filosofia y Letras, UNAM. Seit 2000 Mitglied des Sistema Nacional de Investigadores im Museo Nacional de Anthropologia, INAH.
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